Roman Sörgel

Vom Würstelstand zur Rampensau

Im Alter von 9 Jahren musste der kleine Roman in den Gitarrenunterricht – seine Eltern hatten das für ihn beschlossen und waren der Meinung es sei gut für ihn.
So richtig begeistert war der Kleine zu diesem Zeitpunkt nicht, denn er wollte lieber mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz Fußball spielen oder irgendwelchen anderen Blödsinn treiben. Er hatte aber keine andere Wahl als sich dem Beschluss seiner Eltern zu beugen, denn er lebte damals in der Nürnberger Südstadt in einer Art 3 Zimmer, Küche, Bad Diktatur und hatte nichts zu sagen.

Die ersten Jahre fuhr ihn sein Vater jeden Dienstagnachmittag zum Gitarrenunterricht, damit er auch sicher gehen konnte, dass sein Sohn den Unterricht nicht schwänzte.
Die Grundkenntnisse auf seiner Wandergitarre lernte der kleine Roman relativ schnell, das heißt er wusste wie man das Teil halten muss und dass es keinen Sinn macht zu seinem Gitarrenlehrer zu sagen: „ Doch – ganz ehrlich – ich habe geübt.”
So richtig cool ist sowieso nur eine E-Gitarre und so überzeugte er die Diktatoren, dass dies der einzige Weg sei ihn weiterhin zum Gitarrenspielen zu bewegen.

Zum 11. Geburtstag bekam er schließlich eine echte Stromgitarre, und jetzt konnte ordentlich Lärm gemacht werden.
Der Bolzplatz lag jedoch immer noch hoch im Kurs beim Roman, und so kam es auch, dass er beim Bolzen einen Jungen kennen lernte, der sagte er spiele Schlagzeug.

Die Beiden beschlossen sofort eine Band zu gründen – ist ja auch völlig normal mit 11 und 12 Jahren!
Aber die Wochen gingen ins Land und bei jedem Treffen der Beiden sagte Roman zu seinem „Bandkollegen”: „Was ist denn nun mit unserer Band, und wo ist denn eigentlich dein Schlagzeug.” Die Antworten waren immer irgendwelche Ausreden, die der Roman schon gar nicht mehr hören wollte.
Eines Tages sagte dann der „vermeintliche” Schlagzeuger unaufgefordert: „Heute Nachmittag kannst du mein Schlagzeug sehen wenn du willst” und der Roman war ganz erstaunt und nahm die Aufforderung erfreut an. (jetzt ist es an der Zeit zu erwähnen, dass es sich bei dem selbsternannten „Schlagzeuger” um den kleinen Boiler handelte)

Am besagten Nachmittag trafen sich die Beiden und dann kam Boilers Vater ins Spiel.
Besagter war „The Big Boss” eines Unterhaltungsautomatenimperiums, und der Showroom und die Werkstatt der Firma lagen direkt neben dem Bolzplatz.
Vor dem Laden standen Boiler und Roman, da tauchte ein riesiger, dunkelblauer Ami-Schlitten auf und am Steuer saß „The King of Spielautomaten” mit dicker Goldkette und Fokohila Minipli Frisur.
Die Jungs stiegen in die Limousine ein und fuhren zum Musik Klier, einem namhaften Nürnberger Musikgeschäft.
Dort angekommen standen die Drei dann vor einem in gelb glitzernden, Discoflimmerlack, funkelnden Schlagzeugset.
Boiler sagte:„Schau – das ist mein Schlagzeug!” Roman war sehr erstaunt aber das war nichts im Vergleich zu dem erstaunten und völlig überraschten Eindruck den Boilers Vater in diesem Moment ausstrahlte. Dieser wusste nämlich nicht, dass Boiler die ganze Zeit schon erzählt hatte er habe ein Schlagzeug.
Kurzerhand wünschte er sich das Teil zum Geburtstag, den er just an diesem Tag hatte.
Auf gut deutsch – der Typ konnte gar nicht Schlagzeugspielen, aber es war sein Geburtstag, und Roman konnte dem freudig erregten und glücklichen Boiler einfach nicht böse sein.
Abgesehen davon hatte der Roman auch vorher behauptet er spiele Gitarre – aber dazu später mehr.

„The King of Spielautomaten” war jetzt ein wenig in Zugzwang geraten aber er ließ sich nicht lumpen und kaufte seinem Sohn das edle Teil.
„Im Keller unserer Werkstatt ist noch ein Raum den ihr als Übungsraum nutzen könnt” sagte Boilers Vater. Der Raum war ziemlich groß – zumindest für 11 und 12 jährige Jungs (ca. 60 qm) und ziemlich dreckig, und über und über voll mit Gerümpel.
Die Beiden „Bandkollegen” beschlossen, dass dieser Raum optimal sei und machten sich an die Arbeit. Ein paar Wochen später hatten sie sich einen annehmbaren Übungsraum geschaffen.

Beim Aufräumen fanden sie dann noch eine alte „Solton Echolette” Gesangsanlage und zwei alte „Solton” Lautsprecherboxen (es waren die letzten Überreste der „Flaming Stars”, bei denen Boilers Vater in den 60er Jahren Schlagzeug spielte).
Nun ging es los – es ist schon erstaunlich was man mit drei Akkorden auf einer verzerrten E-Gitarre und einem Schlagzeuger der noch nie Schlagzeug gespielt hatte so alles zustande bringt. Stolz erzählten Roman und Boiler jedem, dass sie eine Band hätten und schnell war das Interesse anderer junger Musiktalente geweckt und sie hingen jeden Tag im Übungsraum ab und probierten, übten und träumten von einer Rockstarkarriere.

Es entstanden die ersten Musik-Projekte, die man annähernd als Band bezeichnen konnte.
Das erste ernstzunehmende Projekt 1982 aber nannte sich „SIX PACK” und war eine echte Bande, bestehend aus anfänglich 6 Musikern.
Am Schlagzeug saß natürlich der 15 jährige Boiler und während ihres ersten Auftritts verkaufte der ein Jahr ältere Roman während des Konzerts Wiener Würstchen und Brötchen, denn er war in diesem Moment noch nicht Mitglied dieser Band.
Mitten im Auftritt hatte er dann plötzlich das Gefühl, er kann besser singen als der, der gerade sang und dazu Gitarre spielte.
Roman ließ seinen Würstchenstand links liegen, griff sich das Mikro und ab diesem Zeitpunkt war er der Sänger der Band, denn er hatte sehr schnell kapiert, dass wahrscheinlich jeder besser Gitarre spielen konnte als er, aber keiner so eine vedammte Rampensau ist wie er.

Rock ´n´ Roll und Rhythm & Blues prägten die Coversongs von „SIX PACK”, und der Spaß an der Musik und das Gefühl in dieser Band zu spielen stand an erster Stelle.
Der ganze Haufen inklusive Techniker, Mischer, Roadies, Groupies und Fans waren wie eine große Familie – so wie Grateful dead – die eigentlich nichts anderes im Sinn hatten, als permanent Party zu machen. Abgesehen davon – wer ist eigentlich Grateful dead?

Bei Auftritten überstiegen regelmäßig die Getränkekosten der Band die mit dem Veranstalter ausgemachte Gage und oft spielten „SIX PACK” nur für Freigetränke oder andere Köstlichkeiten die das Leben lebenswert machen.
Nachdem viele der Bandmitglieder ihr Studium beendet hatten, eine Ausbildung abgeschlossen hatten, und der Ernst des Lebens bei dem einen oder anderen Einzug gehalten hatte, trennten sich nach 12 wunderschönen Jahren ihre Wege.
Musikalisch ging es für Roman aber weiter – er lernte bei einem Gig von „Kiddin´ Crew” deren Gitarristen Benno Baum kennen und die Beiden hatten die gleichen musikalischen Vorstellungen und totalen Bock eine Crossover-Band auf die Beine zu stellen.

Nach ein paar Treffen in der gemeinsamen Lieblingskneipe „Ruhestöhrung” in Nürnberg, ging es dann los – Benno brachte den Bassisten von „Kiddin´ Crew” gleich mit in das neue Bandprojekt, den die hatten sich in der Zwischenzeit aufgelöst.
Über einen Aushang, in verschiedenen Musikertreffs, wurde auch schnell ein Schlagzeuger gefunden und es ging ratz fatz zur Sache.
Eigene, selbst geschriebene Songs waren für Roman zu dieser Zeit noch absolutes Neuland aber es ging ihm leicht von der Hand und nach einiger Zeit stand ein Programm.
„PUNCH & JUDY” hieß das neue Projekt und die ersten Auftritte 1994 waren ein voller Erfolg.
Beim „Battle of the Bands” einem Nürnberger Bandwettbewerb gab es eine Studioproduktion zu gewinnen und diesen Wettbewerb gewannen „PUNCH & JUDY” dann auch auf Anhieb. Im „Soundhouse Studio” in Bamberg nahmen sie eine ganze Woche, von Früh bis Spät, ihre Songs auf aber die Jungs vom „Soundhouse Studio” hatten mit der Band mehr vor als nur eine Demoproduktion aufzunehmen.
Die Produzenten hatten die Idee den Crossover Sound von „PUNCH & JUDY” mit deutschen Texten zu versehen, und außerdem legten Sie der Band nahe den Schlagzeuger zu wechseln.
Alles wurde unternommen um vorwärts zu kommen und so kam ein neuer Schlagzeuger zur Band und die Texte wurden deutsch.

Auch „PUNCH & JUDY” als Bandname musste 1995 dem Namen „BLAUFISH” weichen.
Unter diesem Namen produzierten sie wieder einige Songs im „Soundhouse Studio” und erneut versuchten die „Soundhouse-Macher” die Musik, bei verschiedenen Labels an den Mann zu bringen.
Immer wieder wurde der Band Mut gemacht und es wurden neue Songs aufgenommen und alte Stücke umarrangiert aber irgendwie ging nichts vorwärts und alle Versprechungen verliefen im Nichts. 1997 war dann die Luft raus und die Band löste sich auf – schade eigentlich, denn da hätte mehr draus werden können.
Der Roman war frustriert und hatte die Schnauze voll und eigentlich keine Lust mehr überhaupt noch Musik zu machen.

Gott sei Dank trafen sich kurze Zeit später der Roman und sein alter Kumpel Boiler auf ein Bierchen und einen Burger bei Chong´s Diner in Nürnberg und unterhielten sich über die alten Zeiten bei „SIX PACK.” Boiler sagte: „Wir könnten doch wieder mal zusammen Musik machen” und Roman erwiderte: „Was für Musik willst du denn machen” Boiler sagte darauf „Na ja irgendeine Musik – Hauptsache Spaß.”
Auf irgendeine Musik hatte der Roman keine Lust und es kam Agent Zufall ins Spiel.
Genau in diesem Moment lief plötzlich der Song „Sign your name across my heard” von Terence Trend Darby über die Kneipenanlage.
Zu „SIX PACK” Zeiten hatten die Jungs immer Charthits die im Radio gespielt wurden auf fränkisch umgetextet, verarscht und mitgesungen, während sie miteinander auf dem Weg zum nächsten Gig waren.
Roman sagte: „ das könnten wir doch machen – das ist so richtig blöd und mal was ganz anderes” und fing an die fränkische Version von „Sign your name across my heard” zu singen. „Schreib dein Nomä aaf mei Herdz – ich mächd das du mei Baby wersd” dann sangen Beide mit und lachten sich schlapp – ein neues Bandkonzept war geboren.

Sie überlegten, wer für dieses Projekt noch in Frage kommen könnte und Roman schlug Benno als Gitarristen vor, war sich aber nicht sicher ob der alte Rocker Bock hätte bei so einer Sache mitzumachen. Boiler kam sofort auf Michael Schuler als Bassisten, mit dem er eine Zeit bei „Clutch up”, einer 60er/70er Jahre Coverband, zusammen gespielt hatte.
Roman, Boiler, Benno und Micha trafen sich im „El Coyote”, einem Nürnberger Tex-Mex Laden, um über dieses fränkische Bandkonzept zu reden. Entgegen allen Bedenken von Roman war sogar Benno, der alte Headbanger, bereit dieses Konzept wenigstens einmal ausprobieren zu wollen.
Alle waren sich einig, das für dieses Vorhaben auf jeden Fall ein Keyboarder von Nöten sei. Benno und Roman hatten kurze Zeit vorher Pino Barone, einen kleinen Italiener kennen gelernt, der als Alleinunterhalter in Nürnberg sein Unwesen trieb und dieser wurde kurzerhand gefragt ob er Lust hätte mitzumachen.

Zur ersten Probe Ende 1998 erschienen alle fünf ohne zu wissen was jetzt genau auf sie zukommt und das dieses Projekt ihr Leben verändern würde.
Roman legte sich ein paar der alten Songs die „SIX PACK” früher immer verarscht hatte zu recht und schrieb fränkische Texte auf die ja meist in englischer Sprache gesungenen Radiohits, um eine Grundlage für das erste Aufeinandertreffen zu schaffen.
Schon nach der ersten Probe stand fest, dass dieses Konzept aufgeht.
Die Jungs harmonierten sowohl musikalisch als auch menschlich bestens miteinander und lachten sich bei jedem der fränkischen Texte kaputt.
„WASSD SCHO? BASSD SCHO!” war geboren und in kürzester Zeit hatten sie ein Programm in der Tasche und der erste Auftritt stand an.

Der Name „WASSD SCHO? BASSD SCHO!” entstand eigentlich beim Erklären der Bandidee und des Band-Konzeptes dritten gegenüber.
Es ist für einen Nichtfranken schwer nachvollziehbar wie oft in einer fränkischen Unterhaltung die Floskeln „WASSD SCHO?” und „BASSD SCHO! vorkommen.
Der Bandname stand quasi permanent im Raum und musste nur einmal als solcher erkannt werden.

Tja und so vergeht die Zeit, denn seit nunmehr über 11 Jahren machen die 5 durchgeknallten Franken immer noch in derselben Besetzung zusammen Musik.
Mit inzwischen eigenem Tonstudio (Skysoundstudio Nürnberg) und einem Kultstatus der in Nürnberg der seinesgleichen sucht.